Du gehst nach Hause und fühlst dich eigentlich wirklich gut. So richtig selbstgefällig, wie es nur nach ein paar sehr anstrengenden angenehmen Stunden im eigenen oder fremden Bett geht. Das „war doch wohl ziemlich gut“ Gefühl. Dann, wenn man noch nicht einmal im Traum an den postkoitalen Muskelkater des Untrainierten denkt, der am nächsten Morgen so sicher da ist … all die merkwürdigen Gedanken. Die Hormondusche.

Sozusagen.

Am nächsten Tag erst kannst Du nur noch so unentspannt gehen. Jeder kann sehen was du letzte Nacht getan hast! Jedenfalls glauben wir das, du und ich.

Haben Frauen eigentlich auch diese Höllenqualen wie männliche ungeübte Liebhaber? Das könnte die Erfolgschancen eines entsprechenden Gymnastikprogramms noch einmal um mehr als 50% steigern. Weniger Muskelkater führt zu mehr Sex, mehr Sex führt zu mehr Kindern, mehr Kinder führen zu weniger Rentenproblematik, was wieder zu mehr sozialem Frieden und letzendlich zur Rettung Deutschlands, wenn nicht gar der ganzen Welt führen wird.

Klaut ruhig die Geschäftsidee. Aber ich will meinen Namen auf der DVD-Hülle des Workouts.

Tatort

März 31, 2008

Da war diese Frau, die eigentlich gar nicht so mein Typ war. Sie war groß und so hellblond, wie man ohne Wasserstoffbleiche nur blond sein konnte; sie war schlank und auf eine Art ungelenk, die irgendwie rührend war; ihr Lächeln war schwer zu deuten und sie sprach nur wenig; ich hatte mich noch nicht entschieden, ob ich das langweilig, sexy oder rätselhaft finden sollte. Vielleicht war sie auch nur schüchtern.
Kurz: Sie war gar nicht mein Typ. Aber trotzdem … wenn ich an sie dachte, kribbelte es in der Lendengegend.

Sie hatte mich angerufen und gefragt, ob ich in der Nähe wäre und Lust hätte, kurz rüberzukommen um mit ihr zusammen den ‚Tatort‘ anzusehen. Ich hatte gelogen und mich in den Wagen gesetzt, um die gut 40 Kilometer zu ihr zu fahren. Natürlich kam ich viel zu spät, um den Krimi noch zu verstehen. Oder um überzeugend meine Lüge aufrechtzuerhalten, nicht zig Kilometer gefahren zu sein, nur um sie zu sehen. Ich hatte befürchtet, das würde sie beschämen und das hatte ich auch zu Recht befürchtet. Ich sagte ihr die Wahrheit, dass ich sie sehen wollte, egal was auch im Fernsehen laufen würde. Sie errötete, was bei ihr ein sehenswertes Schauspiel war – ihre Haut war viel mehr weiss wie Schnee, und die Röte war wie ein Sonnenaufgang. Dann lächelte sie, ihre Augen funkelten. In mir kribbelte es wie gewohnt, nur viel heftiger.

Nicht, dass sie nicht etwas sauer auf mich war: Sie hasste es, einen Krimi zu erzählen, wenn der gleichzeitig weiterlief. Das konnte ich verstehen und nachdem ich mich entschuldigt hatte, küssten wir uns hingebungsvoll, um den Friedensvertrag offiziell zu besiegeln. Dann zur Sicherheit gleich noch einmal und noch einmal.

Danach legten wir uns dann doch lieber hin und wärmten uns; sie besaß sowieso nur einen einzigen Stuhl. Sie fröstelte tatsächlich, obwohl die Heizung fast bis zum Anschlag aufgedreht war.

Natürlich wirken warme Hände am besten auf nackter Haut, wie wir nach kurzer Zeit herausfanden. Es schadete auch nicht, sich weiter zu küssen, wir wurden schnell besser darin und bald brauchten wir die Kleidung gar nicht mehr, um nicht einen schrecklichen Tod durch Erfrieren zu erleiden. Ihre Fingernägel waren lang und kratzten schmerzhaft über meinen Körper, was mir Gänsehaut bereitete und während der ganzen Zeit kaum ihr kein Laut über die Lippen, sie atmete nicht einmal hörbar; nur ihre glatte Haut wurde immer wärmer und die Küsse fordernder.

Sie hatte eine Menge Tattoos, Logos von klassischen Punk und Skabands, die schwarze Tusche der Motive stand im harten Kontrast zu ihrer Neuschneehaut. Sie wand sich unter den geringsten Berührung meiner Fingerspitze, blieb aber still, bis sie ihr leises, scharfes Einatmen verriet: Ich hatte die empfindlichere wärmere Gegend ihrer Schenkel entdeckt.
Sie begann in ihrem Beistelltischchen zu kramen und brauchte ein Kondom zum Vorschein, das sie an die Bettkante lege. Dann lehnte sie sich wieder zurück und schloss ihre Augen. Plötzlich spürte ihre scharfen Krallen in meinem Schritt – auch sie war fündig geworden und drücke ihn vorsichtig zusammen, die Fingernägel spürte ich deutlich durch den Stoff. Ich erschauerte vom Nacken bis in seine Spitze.

Die roten Lippen bogen sich zu einem versonnenen Lächeln; sie genoss sichtlich die begeisterte Reaktion in ihrer Hand. Ich konnte nicht still bleiben, sie zeigte ihre makellosen Zähne und grinste lautlos, ohne auch nur in meine Richtung zu schauen. Sie rückte nur etwas näher zu mir, damit sie ihn besser fassen konnte. Ihre Brustwarzen standen aufrecht, rot wie Blut.

Ich wurde selbst neugierig und ließ meine Finger auf Erkundungsreise in ihren String gehen; ich konnte mich gleich davon überzeugen, dass auch sie sich über den Besuch freute. Ich schaute in ihr Gesicht; sie hatte lediglich die Augen geschlossen. Testweise bewege ich die Finger und schaute ihr dabei ins Gesicht, dann hielt ich inne. Es dauerte einen Moment, aber dann reagierte sie doch.

Sie öffnete den Mund einen Spalt, aber nichts war zu hören. Sie zitterte. Sie zitterte so sehr, dass ich mir fast Sorgen machte. Dann .. Hörte ich doch etwas, eine Art Seufzen.

chhhhhhhh…“

Den Kopf drehte sie zur Seite und drückte ihn ins Kissen, sie ließ ihn los und krallte ihre Finger in das Laken, sie bäumte sich auf und spreizte ihre Schenkel.
Ich war nicht wenig überrascht über diese heftige Reaktion und beschloss, die Situation ein wenig genauer zu erforschen. Ich machte also weiter, aber ganz langsam und ganz zurückhaltend.
Sie schien lautlos zu stöhnen, nicht einmal mehr das Seufzen wiederholte sich, aber das war nicht nötig, ich sah genug – sie wand sich nach rechts und nach links, wie um mir zu entkommen, aber gleichzeitig presste sie sich meiner Hand entgegen, deren allerwinzigste Bewegungen von ihr mit heftigen Zuckungen honoriert wurden. Das sah so schmerzhaft aus, dass ich mir nun doch Sorgen machte. Zwar war ich mir aus nahelegenden Gründen sicher darüber, dass sie einen Puls hatte – aber atmete sie überhaupt? Ich fragte sie.

„… chhhh … weiter …bitte“

Damit war das wohl geklärt.

Natürlich streichelte ich weiter. Das machte ja immerhin viel zu viel Spass. Andererseits könnte man doch auch noch mehr anstellen als nur das hier; ich war nämlich mehr als bereit … ich schielte zum Kondom rüber, das einsam und verlassen an der meilenweit entfernten Bettkante lag. Ich streckte den freien Arm – den kurzfristig freigestellten Hintern-Krall-Arm – so weit aus wie ich konnte, ohne meine Fingerei zu unterbrechen. Weil sie dann die Augenbrauen verziehen und unglücklich aussehen würde, ich hatte den Fehler bereits gemacht. Ich streckte mich … weitermachen, Mann, nicht anmerken lassen und dann hast du es … oh. Nein! Ich hatte den Überzieher nicht etwa mit den Fingerkuppen geschnappt, sondern ihn bei dem Versuch noch etwas weiter außer Reichweite geschubst.
Ich fügte mich in mein Schicksal und dachte daran, dass ich später sicher noch auf meine Kosten kommen würde, dann machte ich mich daran, es ihr nach allen regeln der Kunst zu … Fingern. Ich beschloss, ihr mein zweitbestes zu geben und bückte mich herunter, um sie zu kosten – aber natürlich kam ich dabei aus dem Takt und ich brauchte gar nicht erst hinzuschauen, um zu wissen, dass die gefürchtete Augenbrauenkräuselung anstand. Nun gut, wenn Madame Handbetrieb wollte, dann bekam sie eben genau das. Oh, ich hatte großen Spass …

… Es dauerte nur.

Ich glaube, eine halbe Stunde schmolz sie dahin … dann beschloss ich ihr denn Rest zu geben. Sie biss in das Kopfkissen und wälzte sich so plötzlich herum, dass ich beinahe unterbrochen wurde – aber ich war wildentschlossen und inzwischen an ihre unkontrollierten Bewegungen gewöhnt. Das Kondom war über Bord gegangen – egal, ich hatte genug Spass daran, mit jeder Fingerbewegung neue Wirkungen zu erzeugen. „Wie ein Marionettenspieler, nur ohne Fäden“ dachte ich und fand es gleich fürchterlich pervers und gemein. Die Genießerin hatte meine Gedanken nicht gehört, sie war viel zu beschäftigt. Sie drehte sich zurück, hielt sich das Kissen vor das Gesicht, als ob sie einen wirklich sehr lauten Schrei ersticken musste.

Und dann kam es ihr.

Und wie es ihr kam.

Und wie fertig sie danach war. Hatte sie vorher schon wenig gesprochen, so war sie kaum noch zu mehr als einer halbherzigen Revanche in der Lage; ich merkte gleich, dass sie eigentlich kurz vor dem Einschlafen war. Im Gegensatz zu mir. Ich war … unternehmungslustig, aber ich verdrückte mich, ganz Gentleman, mit einem erschöpften Lächeln anstelle eines Wortes zum Abschied.

Ich warte noch heute auf einen Anruf. Aber ich habe die Nummer noch …