Tatort

März 31, 2008

Da war diese Frau, die eigentlich gar nicht so mein Typ war. Sie war groß und so hellblond, wie man ohne Wasserstoffbleiche nur blond sein konnte; sie war schlank und auf eine Art ungelenk, die irgendwie rührend war; ihr Lächeln war schwer zu deuten und sie sprach nur wenig; ich hatte mich noch nicht entschieden, ob ich das langweilig, sexy oder rätselhaft finden sollte. Vielleicht war sie auch nur schüchtern.
Kurz: Sie war gar nicht mein Typ. Aber trotzdem … wenn ich an sie dachte, kribbelte es in der Lendengegend.

Sie hatte mich angerufen und gefragt, ob ich in der Nähe wäre und Lust hätte, kurz rüberzukommen um mit ihr zusammen den ‚Tatort‘ anzusehen. Ich hatte gelogen und mich in den Wagen gesetzt, um die gut 40 Kilometer zu ihr zu fahren. Natürlich kam ich viel zu spät, um den Krimi noch zu verstehen. Oder um überzeugend meine Lüge aufrechtzuerhalten, nicht zig Kilometer gefahren zu sein, nur um sie zu sehen. Ich hatte befürchtet, das würde sie beschämen und das hatte ich auch zu Recht befürchtet. Ich sagte ihr die Wahrheit, dass ich sie sehen wollte, egal was auch im Fernsehen laufen würde. Sie errötete, was bei ihr ein sehenswertes Schauspiel war – ihre Haut war viel mehr weiss wie Schnee, und die Röte war wie ein Sonnenaufgang. Dann lächelte sie, ihre Augen funkelten. In mir kribbelte es wie gewohnt, nur viel heftiger.

Nicht, dass sie nicht etwas sauer auf mich war: Sie hasste es, einen Krimi zu erzählen, wenn der gleichzeitig weiterlief. Das konnte ich verstehen und nachdem ich mich entschuldigt hatte, küssten wir uns hingebungsvoll, um den Friedensvertrag offiziell zu besiegeln. Dann zur Sicherheit gleich noch einmal und noch einmal.

Danach legten wir uns dann doch lieber hin und wärmten uns; sie besaß sowieso nur einen einzigen Stuhl. Sie fröstelte tatsächlich, obwohl die Heizung fast bis zum Anschlag aufgedreht war.

Natürlich wirken warme Hände am besten auf nackter Haut, wie wir nach kurzer Zeit herausfanden. Es schadete auch nicht, sich weiter zu küssen, wir wurden schnell besser darin und bald brauchten wir die Kleidung gar nicht mehr, um nicht einen schrecklichen Tod durch Erfrieren zu erleiden. Ihre Fingernägel waren lang und kratzten schmerzhaft über meinen Körper, was mir Gänsehaut bereitete und während der ganzen Zeit kaum ihr kein Laut über die Lippen, sie atmete nicht einmal hörbar; nur ihre glatte Haut wurde immer wärmer und die Küsse fordernder.

Sie hatte eine Menge Tattoos, Logos von klassischen Punk und Skabands, die schwarze Tusche der Motive stand im harten Kontrast zu ihrer Neuschneehaut. Sie wand sich unter den geringsten Berührung meiner Fingerspitze, blieb aber still, bis sie ihr leises, scharfes Einatmen verriet: Ich hatte die empfindlichere wärmere Gegend ihrer Schenkel entdeckt.
Sie begann in ihrem Beistelltischchen zu kramen und brauchte ein Kondom zum Vorschein, das sie an die Bettkante lege. Dann lehnte sie sich wieder zurück und schloss ihre Augen. Plötzlich spürte ihre scharfen Krallen in meinem Schritt – auch sie war fündig geworden und drücke ihn vorsichtig zusammen, die Fingernägel spürte ich deutlich durch den Stoff. Ich erschauerte vom Nacken bis in seine Spitze.

Die roten Lippen bogen sich zu einem versonnenen Lächeln; sie genoss sichtlich die begeisterte Reaktion in ihrer Hand. Ich konnte nicht still bleiben, sie zeigte ihre makellosen Zähne und grinste lautlos, ohne auch nur in meine Richtung zu schauen. Sie rückte nur etwas näher zu mir, damit sie ihn besser fassen konnte. Ihre Brustwarzen standen aufrecht, rot wie Blut.

Ich wurde selbst neugierig und ließ meine Finger auf Erkundungsreise in ihren String gehen; ich konnte mich gleich davon überzeugen, dass auch sie sich über den Besuch freute. Ich schaute in ihr Gesicht; sie hatte lediglich die Augen geschlossen. Testweise bewege ich die Finger und schaute ihr dabei ins Gesicht, dann hielt ich inne. Es dauerte einen Moment, aber dann reagierte sie doch.

Sie öffnete den Mund einen Spalt, aber nichts war zu hören. Sie zitterte. Sie zitterte so sehr, dass ich mir fast Sorgen machte. Dann .. Hörte ich doch etwas, eine Art Seufzen.

chhhhhhhh…“

Den Kopf drehte sie zur Seite und drückte ihn ins Kissen, sie ließ ihn los und krallte ihre Finger in das Laken, sie bäumte sich auf und spreizte ihre Schenkel.
Ich war nicht wenig überrascht über diese heftige Reaktion und beschloss, die Situation ein wenig genauer zu erforschen. Ich machte also weiter, aber ganz langsam und ganz zurückhaltend.
Sie schien lautlos zu stöhnen, nicht einmal mehr das Seufzen wiederholte sich, aber das war nicht nötig, ich sah genug – sie wand sich nach rechts und nach links, wie um mir zu entkommen, aber gleichzeitig presste sie sich meiner Hand entgegen, deren allerwinzigste Bewegungen von ihr mit heftigen Zuckungen honoriert wurden. Das sah so schmerzhaft aus, dass ich mir nun doch Sorgen machte. Zwar war ich mir aus nahelegenden Gründen sicher darüber, dass sie einen Puls hatte – aber atmete sie überhaupt? Ich fragte sie.

„… chhhh … weiter …bitte“

Damit war das wohl geklärt.

Natürlich streichelte ich weiter. Das machte ja immerhin viel zu viel Spass. Andererseits könnte man doch auch noch mehr anstellen als nur das hier; ich war nämlich mehr als bereit … ich schielte zum Kondom rüber, das einsam und verlassen an der meilenweit entfernten Bettkante lag. Ich streckte den freien Arm – den kurzfristig freigestellten Hintern-Krall-Arm – so weit aus wie ich konnte, ohne meine Fingerei zu unterbrechen. Weil sie dann die Augenbrauen verziehen und unglücklich aussehen würde, ich hatte den Fehler bereits gemacht. Ich streckte mich … weitermachen, Mann, nicht anmerken lassen und dann hast du es … oh. Nein! Ich hatte den Überzieher nicht etwa mit den Fingerkuppen geschnappt, sondern ihn bei dem Versuch noch etwas weiter außer Reichweite geschubst.
Ich fügte mich in mein Schicksal und dachte daran, dass ich später sicher noch auf meine Kosten kommen würde, dann machte ich mich daran, es ihr nach allen regeln der Kunst zu … Fingern. Ich beschloss, ihr mein zweitbestes zu geben und bückte mich herunter, um sie zu kosten – aber natürlich kam ich dabei aus dem Takt und ich brauchte gar nicht erst hinzuschauen, um zu wissen, dass die gefürchtete Augenbrauenkräuselung anstand. Nun gut, wenn Madame Handbetrieb wollte, dann bekam sie eben genau das. Oh, ich hatte großen Spass …

… Es dauerte nur.

Ich glaube, eine halbe Stunde schmolz sie dahin … dann beschloss ich ihr denn Rest zu geben. Sie biss in das Kopfkissen und wälzte sich so plötzlich herum, dass ich beinahe unterbrochen wurde – aber ich war wildentschlossen und inzwischen an ihre unkontrollierten Bewegungen gewöhnt. Das Kondom war über Bord gegangen – egal, ich hatte genug Spass daran, mit jeder Fingerbewegung neue Wirkungen zu erzeugen. „Wie ein Marionettenspieler, nur ohne Fäden“ dachte ich und fand es gleich fürchterlich pervers und gemein. Die Genießerin hatte meine Gedanken nicht gehört, sie war viel zu beschäftigt. Sie drehte sich zurück, hielt sich das Kissen vor das Gesicht, als ob sie einen wirklich sehr lauten Schrei ersticken musste.

Und dann kam es ihr.

Und wie es ihr kam.

Und wie fertig sie danach war. Hatte sie vorher schon wenig gesprochen, so war sie kaum noch zu mehr als einer halbherzigen Revanche in der Lage; ich merkte gleich, dass sie eigentlich kurz vor dem Einschlafen war. Im Gegensatz zu mir. Ich war … unternehmungslustig, aber ich verdrückte mich, ganz Gentleman, mit einem erschöpften Lächeln anstelle eines Wortes zum Abschied.

Ich warte noch heute auf einen Anruf. Aber ich habe die Nummer noch …

Grace, Teil Zwei

März 30, 2008

Es ging die nächsten Monate so weiter; aus Monaten wurden Jahre und irgendwann kehrte sie zurück nach Deutschland und kam auf irgendeine Weise mit einem Typen aus demselben Chat zusammen, in dem wir uns einmal kennengelernt hatten; nach Monaten des Quengelns traf sie sich mit ihm, ging mit ihm ins Bett und war sofort mit ihm zusammen. Grace klingelte mich am nächsten Morgen aus dem Bett, um sich tränenreich zu entschuldigen, dass sie ich ausgerechnet mit meinem „Erzfeind“ (das war er zu diesem Zeitpunkt nicht, aber das würde sich ändern) eingelassen hatte und das wäre ein großer Fehler und ich sollte ihr verzeihen. Natürlich verzieh ich ihr – was sollte ich ihr auch übelnehmen? Das sie Gefühle verletzte, die sie nicht mehr erwiderte? Ich liebte sie weiter, still und heimlich und bitter und möglichst diskret, um ihr kein schlechtes Gewissen zu machen.
Aber ich wurde auch wütend. Sehr wütend. Alles was der Typ gemacht hatte, war ihr Email um Email zu schreiben und so hatte er all das bekommen, was ich im Leben wollte. Was noch in mir an etwas … irgendetwas glaubte, brach in kurzer Zeit zusammen; alte Wunden öffneten sich wieder. Aber wenn sie anrief und mir erzählte, wie schlecht ihre Beziehung funktionierte und das er es hassen würde, das wir Kontakt hielten, das er das ihr verbieten wollte, sie aber darauf bestehen würde, dann war es beinahe wieder wie früher, es waren Momente, die wie ein Rettungsring für mich waren; ich hielt mich an ihnen fest, um nicht zu versinken – ohne an den eisig kalten Ozean zu denken, in dem ich langsam erfror.

Da kam der Tag, an dem sie beinahe im Zug vergewaltigt wurde und ihr Freund ihr vorwarf, selbst schuld zu sein, wenn sie immer zu jedem so freundlich wäre. Sie bleib bei ihm, und meine Wut auf mich, auf ihn, auf ihre verdammte Selbstzerstörung wuchs. Ich hatte nie das Gefühl, nur die Endlagerstelle für ihre Probleme zu sein, sie hörte sich auch meinen lächerlichen Mist an, den ich nur widerwillig erzählte. Aber ich fühlte mich nie einsam, seitdem ich sie kannte. Sie dachte an mich. Und ich dachte an sie.

Dann kam der Tag, an dem er sie ohrfeigte. Nicht nur beiläufig und ein einziges Mal, er schlug sie. Es tat ihm aber leid, sagte sie mir am Telefon; ich konnte sie kaum verstehen, weil sie so starke Schwellungen im Gesicht hatte. Sie verließ ihn, er kämpfte um sie, Grace aß nur noch Nudeln mit Pesto in Portionen für Singvögen und hörte dann ganz auf zu essen. Ich könnte es hören, ihre Stimme war einmal so hell und rein gewesen, nun krächzte sie, war kaum zu hören. Sie war viel zu klug, um nicht darüber im klaren zu sein, das sie weder gut aussah noch zu dick war. ‚Ist schon albern, oder?‘ Sie lachte. Sie bekam dunkle Streifen am Hals, ihre Fingernägel verfärbten sich gelblich. Ihre Nieren versagten. Sie wog keine 35kg mehr, als ich das letzte Mal mit ihr sprach. Sie kam gerade aus dem Krankenhaus, wo man sie künstlich ernährt hatte, um ihr Leben zu retten. Ihr lachen war aber noch da, schwächer, aber dasselbe. Was ist aus mir geworden, Denis. Ich sterbe. Ach, aber dafür sehe ich echt gut aus. Mit den gelben Fingernägeln. Wenn die bloss nicht so schnell splittern würden!

Sie würde in eine Therapiestelle gehen. Erst einmal keinen Kontakt mehr nach außen, nur essen, essen. Es kam noch eine SMS. „Ich hasse es hier.“.

Ich schrieb ihr Briefe nach Hause, doch ich bekam nie wieder eine Antwort; sie kamen aber auch nicht zurück. Niemand bekam je wieder einen Anruf, niemand sah sie jemals wieder online, obwohl sie dort so beliebt war wie sie es sich im „richtigen Leben“ immer gewünscht hatte, sie hatte viele Freunde und Freundinnen. Ihre Emailadressen liefen aus, waren nicht mehr erreichbar, ihre Handynummern (sie hatte einige) genauso.

Sie blieb verschwunden.

Meine Wut blieb, aber meine Sorge wurde größer und das Loch das sie hinterließ – es ist inzwischen vernarbt, aber nicht verschwunden. Sie hatte mich einfach verlassen; kein Freund macht das, ohne ein Wort der Erklärung. Ich empfand es als Verrat an unserem Bund. Ich war nie wieder so verbittert wie in dieser Zeit, aber das ließ nach einer Weile nach. Die Traurigkeit ist nie ganz verschwunden und begleitet mich seitdem. Große, mächtige Liebe macht mir Angst und ich fühle mich hilflos und verzweifelt, wenn sie mir begegnet. Ich bin härter geworden, zynischer vielleicht. Aber es geht weiter. Irgendwie.
Einmal kam ich in ihre Stadt und sah das Café, in dem sie arbeitete. Die Straße, in der sie gewohnt hatte. Ich habe mich nicht getraut, näher zu kommen. Ich hätte ihren Vater anrufen können. Aber ich beschloss, auf die Wahrheit zu verzichten.

Manchmal schaue ich das Telefon an und wie früher sollte es genau in diesem Moment klingeln und sie wäre dran. Aber es bleibt still und ich denke daran, das ich gern einen trinken würde, mit einem guten Freund oder einer guten Freundin. Nur nicht das hier, allein sein.

Grace, Teil Eins

März 29, 2008

Sie war die erste Person, die über das Internet an meine Telefonnummer kam. Ich weiss nicht mehr genau, warum ich sie ihr gegeben habe – eigentlich wollte ich so etwas niemals tun – aber es schien mir unglaublich wichtig und ich tat es nicht, weil ich einen Anruf wollte, sondern weil ich nach zehn Minuten schon so sehr mochte, das ich ihr etwas geben wollte, das ich noch niemandem in diesen ekligen HTML Chat gegeben hatte und niemandem je wieder geben sollte. Eine ganze Minute war Stille, dann kam ihre Nummer zurück, sie würde mich vielleicht nicht anrufen, wenn ich das nicht wollte, aber ich sollte doch unbedingt SIE anrufen, denn sie wollte das unbedingt. In zehn Minuten. Bitte.

Nach drei Wörtern waren wir verliebt, der große Gong im Herzen dröhnte nach den ersten Silben und ich spürte diesen Druck im Herzen und so war es auch bei ihr, glaube ich. Wir legten erst auf, als der Morgen dämmerte. Sie war Amerikanerin und und Deutsche mit den entsprechenden Pässen, ihr Nachname war italienisch und sie liebte Frankreich. Ihr Vorname war Grace und sie war nicht glücklich. Ihr Verlobter war von einem Unbekannten überfahren worden – Unfallflucht – und später, im Krankenhaus in ihren Armen an seinen Verletzungen und dem Blutverlust gestorben; sie hatte in der Folge ihre Leber grade noch über eine Monate andauernde Phase von Exzessen gerettet und mit so ziemlich jedem Typen in der Umgebung von 100 Kilometern geschlafen. Nun blieb nur noch Leere und sie las mir Rilke am Telefon vor, wenn sie nicht weinte oder wir uns scheinbar stundenlang nur beim Atmen zuhörten. Unsere Gespräche führten von verkopften Theorien weiter hinab in ganz andere Regionen und wieder zurück; das musste Glück sein, da war ich mir sicher. Ich spürte, wie ich sie zu lieben begann und wie falsch und gefährlich das war; ich wusste das sie Angst hätte, das nach einem Treffen alles ändern würde, das wir im Bett landen würden und sie mich dann verlieren würde, unweigerlich. Ich war schon so verloren, wie ein Mensch sich nur verlieren kann. Dennoch, ich kam irgendwie mit dem bisschen Schlaf aus, 2 Stunden, 3 Stunden, mein Studium litt fürchterlich, aber das war mir egal. Ich wollte nur diese Stimme hören und mit ihr lachen und mit ihr weinen und mich ihr nahe fühlen.

Eines Tages erzählte sie mir, das sie mich ausnützen würde und mir meine Zeit raubt, ohne mir dafür eine Gegenleistung zu bieten, da ahnte ich, das ich vielleicht zu viele Sorgen angehört, zu oft getröstet hatte; nicht das sie mich nicht lieben würde – das tat sie, aber nicht mehr genau wie ich sie. Ich konnte fühlen, wie mein Herz brach und nun sagte ich ihr, wie ich sie liebte, wie ich nie eine geliebt hatte und meine Güte, wir mussten stundenlange geheult haben, am Telefon versteht sich. Da war nicht wirklich ein Platz für mich. Das war mir klar. Mit einem Toten konnte ich nicht konkurrieren. Aber ich nahm, was ich kriegen konnte und immerhin, sie brauchte mich und vertraute mir und empfand tief für mich. Mehr als ich bis dahin kannte; zwar war ich inzwischen eher ein Freund für sie, aber doch zeigte sie mir mehr Zuneigung als ich bis dahin kannte.

Grace hatte Probleme, sie war hochbegabt und hatte Bulimie, später stellte sich heraus, dass sie Epileptikerin war; sie war zu schön für ihre Umgebung, Männer flogen auf sie, waren aber ihrem Geist nicht gewachsen und flohen so schnell wie sie gekommen waren; Frauen hingegen hassten sie meistens auf den ersten Blick. An dieser ganz speziellen Art von Einsamkeit zerbrach sie langsam. Das tat sie allerdings in Schönheit, sie schrieb Gedichte und las sie mir vor.

Für mich war es natürlich über die ganze Zeit unmöglich, irgend etwas Sinnvolles mit anderen Frauen zu beginnen. Nicht das ich wollte. Ich hatte immer Angst, das sie endlich den richtigen treffen würde und das ich nie wieder von ihr hören würde, oder das sie sich eines Tages doch umbringen würde – aber sie war immer da, mal zwei Tage nichts, dann klingelte wieder das Telefon und sie entschuldigte sich für die Störung und die Stille.
Dann war sie plötzlich in Frankreich, in einer Spezialklinik. Erzählte sie mir am Telefon, gerade wieder erwacht. Die Gebühren waren ihr scheinbar egal, sie mussten enorm sein. Meine Leben war wie in Schatten getaucht, wenn ich nicht mit ihr sprach. Mir wurde immer deutlicher klar, dass es so nicht weitergehen konnte: Ich wurde immer trauriger und das scharfkantige Loch in meinem Herzen ließ sich nur schwer ignorieren. Sie fand einen Freund, das änderte wenig, auch wenn ich um so mehr litt, sie wurde schwanger, verlor Kind und Freund und da war ich wieder da und …

Und dann wurde es schlimm und zwar viel schlimmer und das schnell. Mal sehen, einen zweiten Teil schreibe ich, aber nicht jetzt.